OT: Angel Heart
USA
1986 - 109
Min. - 1,85:1 - Alan Parker
"Es gibt Religionen, die halten das Ei für ein Symbol der Seele."

Niemals zuvor
hat die Welt ein bitterböseres Film-Ende erlebt
als in Angel Heart - und auch bisher nicht
danach. Alan Parkers Mischung aus Mystery und
Thriller, zusammengesetzt aus Elementen des
Film-Noir, des 40er-Jahre-Detektivfilms und des
Okkult-Krimis, lässt den Zuschauer fast zwei
Stunden in dem Irrglauben, dass Privatschnüffler
und Antiheld Harry Angel die grausigen
Geschehnisse, welche die Geschichte für ihn
bereit hält, unbeschadet überstehen könnte, dass
er doch noch diesen komplizierten Fall zu aller
Zufriedenheit lösen, lässig noch schnell mit
Zigarette im Mundwinkel einen lockeren Spruch
absondern und friedlich seiner Wege ziehen wird.
Na ja, ausgeführt hat er ihn dann tatsächlich,
seinen Auftrag - von Lässigkeit, lockeren
Sprüchen oder friedlichen Wegen bleibt
allerdings nicht mehr viel übrig. Während ihn
sein Auftraggeber und gleichermaßen Widersacher
noch mit funkelnden Augen verhöhnt und sich als
einziger Gewinner bei all den blutigen
Ereignissen herausstellt, bleiben ihm zumindest
noch eine sichere, unfassbare Wahrheit, nach der
er so lange gesucht hat, und die Antwort auf die
Frage, die alle Menschen täglich beschäftigt:
Wohin gehen wir schließlich?
Schwere, harte
Kost, soviel ist sicher. Das scheint aber auch
schon das einzige zu sein, was in dieser
Tour-de-force von einem Thriller gesichert ist.
Auf nichts kann man sich wirklich verlassen,
keine Information ist absolut glaubwürdig,
keinem der Charaktere kann und sollte man
uneingeschränktes Vertrauen schenken, und wer es
dennoch tut, wird schließlich nur umso
schockierter sein. All diese Ahnungen bestätigen
sich dann am Ende auf grausige Art und Weise.
Oh, dieses unfassbare Ende ... der Film ist
das Ende! Es ist zwar in der Kultur-Geschichte des
Spielfilms schon ein paar mal vorgekommen, dass
man nach der letzten Szene das gesamte Werk noch
einmal hat neu zusammensetzen und überdenken
müssen, dass der Plot gar eine kühne Wendung um
180° gemacht hat. Aber nie ist dieses mit solch
grauenhaft-präziser und unerbittlicher
Konsequenz geschehen wie bei Alan Parkers »Angel
Heart«. Man sollte sich der Geschichte möglichst
wenig voreingenommen und unvorbereitet hingeben,
denn was dem Zuschauer als die finale Auflösung
geboten wird, ist garantiert das allerletzte,
woran man vorher eventuell bei der eigenen Suche
nach einer Erklärung der Geschehnisse gedacht
hat.
Die heftige
Sex-Szene zwischen Mickey Rourke und Lisa Bonet
(welche sich dadurch auch endgültig vom Image
des kleinen braven Cosby-Show-Mädchens
verabschiedete) war in den USA sehr umstritten.
Alan Parker musste erhebliche Schnitte daran in
Kauf nehmen, um mit seinem Film von der MPAA nicht in die gleiche
Altersfreigabe eingestuft zu werden, wie sie für
Hardcore-Pornos üblich ist. Zweifelsohne handelt
es sich um eine drastische Einstellung, wie sich
die beiden Schauspieler nackt in ganzen Wellen
von Blut wälzen, aber dabei haben die
US-Zensoren mal wieder scheinheilige Prüderie
vor kunstvolle Metaphern gestellt, denn selten
war eine Sex-Szene für die Erklärung der
Ereignisse und das Gesamtverständnis einer
Filmhandlung so wichtig wie diese. Mit den
blutig-phantasievollen Tötungsmethoden des
geheimnisvollen Mörders hatten sie hingegen -
wie es dort meistens der Fall ist - weniger
Probleme. In Deutschland lief übrigens die
unverstümmelte Version.