Dienstag, 28. Februar 2012

(Filme) MATRIX

OT: The Matrix
USA 1999 - 131 Min. - 2,35:1 - Andy Wachowski,
Larry Wachowski

"Die Menschen sind eine Krankheit, und wir sind die Heilung."

Wer hätte gedacht, dass man gegen Ende des 20. Jahrhunderts doch noch mal etwas wirklich Neues im Lichtspielhaus zu Gesicht bekommen würde? Die vom Kino besessenen Filmfreaks Andy und Larry Wachowski haben es mit Matrix tatsächlich fertig gebracht, dass sich auch der erfahrendste Zelluloid-Veteran im Saal mit offenem Mund an seiner Sessellehne festkrallt. Nie zuvor hat man innovative, digitale Spezialeffekte in derartiger Perfektion auf der Leinwand erleben dürfen. Aber nicht das allein, sogar die Story, sonst meistens lästiges, kümmerliches und nur notwendigerweise entwickeltes Beiwerk von Event-Movies wie diesem, ist intelligent und clever ausgearbeitet. Ein Film für die Sinne - und fürs Gehirn.

Matrix-Produzent Joel Silver hat gesagt, dieses Werk sei das erste Stück Zelluloid, welches den Titel "Film des neuen Jahrtausends" auch wirklich verdiene. Ein wahrlich überstrapazierter Begriff, soviel ist sicher, trotzdem ist man nach Sichtung dieses gewaltigen Streifens geneigt, dem trommelnden Hollywood-Macher zuzustimmen. 1991 revolutionierte James Cameron mit seinen damals sensationellen Morphing-Tricksereien in Terminator 2 - Judgment Day die Szene digitaler Spezialeffekte, bereits zwei Jahre später sorgte Steven Spielberg mit dem Dinosaurier-Spektakel Jurassic Park weltweit für offene Münder in den Kinosälen, indem er erstmals komplett am Rechner kreierte Riesenechsen eine idyllische Südseeinsel plattwalzen ließ. Seitdem hat sich in dem Sektor nicht allzu viel Neues ergeben. Zwar wurden die vorhandenen Techniken erweitert und bis an die Grenzen der Perfektion getrieben, trotzdem hatte man bei den zahlreichen Event- und Effekt-Movies gegen Mitte/Ende der 90er Jahre immer das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben - bis zu Matrix. Für die innovativen und wirklich neuartigen Action-Sequenzen, in denen sich die Kontrahenten scheinbar schwebend in Zeitlupe bekriegen, während sie von der Kamera nach Belieben umkreist werden, wurde ein eigenes Effekt-Verfahren entwickelt, "Bullet-time", benannt nach Pistolenkugeln ("Bullets"), die man mit Hilfe dieser Technik sich langsam auf ihrer Flugbahn bewegend künstlich am Computer designen und beobachten kann.

Wie gesagt, bei all der optischen Wucht bleiben auch glücklicherweise die grauen Zellen nicht unterfordert. Durchaus eine interessante Vorstellung, unsere Welt könne einfach nur eine Simulation sein, alles, was wir hier "erleben", wäre unecht. Es gäbe keine Gefühle, keinen Schmerz, keinen Geruch - nur das, was unser Gehirn als "echt" interpretiert. Nun mag einer sagen, dass das doch gar nicht sooo schlimm wäre, man würde den Unterschied ja ohnehin nicht bemerken. Kann man so sehen, und das tun auch durchaus einige Charaktere im Film, die Neo damit ziemlich zu schaffen machen. Es gibt immer zwei Seiten, Agent Smith beispielsweise hält einmal einen hochinteressanten Monolog, in welchem er, natürlich nicht ganz ernst gemeint (auch Maschinen können Humor haben), den Menschen ihre Zugehörigkeit zur Spezies der Säugetiere abspricht. Durch ihr offenbar angeborenes Verhalten, sich niederzulassen, sich auszubreiten, sämtliche natürlichen Ressourcen auszubeuten, bis davon nichts mehr übrig ist, und dann weiterzuziehen, verhielten sie sich eher wie ein Virus.

Des Weiteren gibt es natürlich zahlreiche Anspielungen auf den christlichen Glauben; angesichts eines einzelnen Charakters, der unfreiwillig die Menschheit erretten soll, bietet sich das auch an. Nicht umsonst lässt sich aus dem Namen "Neo" das Anagram "One" bilden, der "Auserwählte". Und das Wort "Neo" steht bereits für einen Neuanfang, genauso wie für endlich mal etwas wirklich Neues in den Lichtspielhäusern der uns gegebenen (!) Welt.

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